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31. Dezember 2010 - Erinnerungen und gute Vorsätze

Ein aufregendes Jahr geht zu Ende. In der Küche duftet die angehende Hühnersuppe vor sich hin und wartet auf ihre Bestimmung: meine Gaumenfreude! Wunderbar goldgelb und klar steht sie auf dem Herd, ab und an kommt ein kleines Bläschen hoch – so soll es sein. Derweil überträgt das Radio Beethoven’s 9. Sinfonie. Die ist zu Silvester fast so üblich wie das Weihnachtsoratorium eine Woche zuvor. Ruhig und still ist es – noch. Hier, im Gartenhaus wird es wohl so bleiben, die üblichen Silvestertöne kommen kaum an. Das gefällt mir gut in diesem Jahr.

Die Wochen vor Weihnachten waren turbulent und aufregend. Ich durfte soviel kochen wie noch nie und es hat mir sehr, sehr viel Freude bereitet. Alle waren zufrieden und die Tatsache, dass ich gleich wieder gebucht wurde bestätigt dies und erfreut mich besonders. Und auch das Neue Jahr beginnt mit Buchungen. Die erste an Neujahr ist absolut privat. Im vertrautesten Kreis gibt es frisch gebackene Neujahrsbrezel und dann verteilen sich dich Aufgaben für das Menü: Kastaniensuppe – Krautsalat mit Zitronengras und Walnüssen – Rehmaultäschle auf Linsengemüse – Orangen Mousse au chocolat.

In diesem persönlichen Genießerkreis erlebte ich im abgelaufenen Jahr meine zwei schönsten Kocherlebnisse. Erst ein Anruf vom Markt: Ogrosen hat noch einmal geschlachtet, es gibt Zickleinkeule! Bei wem können wir uns treffen? Da ich inzwischen „hauptberuflich“ koche und am besten ausgestattet bin, bietet sich meine Küche an. Und ich mich auch immer gerne. Die unvermutete Zickleinkeule kam wenige Tage später noch einmal zum Einsatz: Spontanes Sommerpicknick auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Ein toller Sonntagnachmittag war das! Als ich mit dem Rad nach dem vereinbarten Baum suchte, wuchs meine gute Laune zusehends. Überall saßen kleine Gruppen von Menschen unter den Bäumen und es sah irgendwie aus wie auf der letzten Seite eines Asterix-Bandes – nur eben am hellichten Tag. Waren wir dann 20 oder 30 Personen? Ich weiss es nicht mehr so genau, aber es war wunderbar. Alle hatten etwas feines zum Picknick beigesteuert und alle waren neugierig und haben begeistert probiert. Die Stimmung war wunderbar, einzigartig. Und meine Zickleinkeule? Ach ja – ein junger Mann meinte: Schmeckt ja toll, aber kannst du nicht mal was einfaches machen? Ich stutzte, denn ich hatte meinen Kartoffelsalat schlichtweg aus Kühlschrankresten zusammengestellt: Reste der Zickleinkeule, eine Handvoll Rucola, ein paar Kirschtomaten, Wachteleier und frisch gekochte Tannenzäpfle (NEIN – nicht das Bier!). Aus meiner Sicht war das sehr einfach und auch preiswert…!

Mitte Januar erfüllt sich ein großer Wunsch von mir: Ich darf zwei Tage in einer Profiküche mitkochen. Davon berichte ich ein anderes mal, denn ich habe für das neue Jahr gute Vorsätze: Regelmäßig mein Genuß-Tagebuch führen!

Ich wünsche allen Freundinnen und Freunden meiner Gästetafel einen guten Übergang in das neue Jahr und viele genußfreudige Stunden in 2011!

5. Dezember 2010 - Entdeckungen

Vor Kurzem erhielt ich eine Einladung zur Eröffnung des Berliner-Sake-Kontors . Neugierig fuhr ich an einem regnerischen Samstagnachmittag Richtung Friedrichshain. Meine Erfahrungen mit Sake waren bis zu diesem Tag gleich Null. Ich wusste, das es Sake gibt und aus Erzählungen, dass „einen das Zeugs umhaut“.  Das passte aber keineswegs auf das, was die Einladung versprach. Die Eröffnung sollte um 16 Uhr mit dem Aufschlagen eines Sake-Fasses -KAGAMI BIRAKI- beginnen. Ich kam einige Minuten zu spät und betrat das wunderschöne Kontor genau in dem Moment, als der Deckel sich löste und die ersten Sake in fein geschliffenen Buchenholzschalen gereicht wurden. Glasklar schaute mich das Getränk an, vorsichtig nahm ich einen ersten Schluck und war sprichwörtlich hin und weg! Die Inhaberin, Susanne Rost, weiss viel über Sake zu berichten www.sake-kontor.de . Und ich werde bei meiner nächsten Gästetafel erstmalig Sake zum Käse anbieten. Ich bin sehr gespannt, wie meine Gäste darauf reagieren!

16. November 2010 - Rückstände

Tatsächlich, mein letzter Eintrag ist mehr als einen Monat alt! Der Freund, der sich bei mir beschwert, hat recht. Es schmeichelt aber auch ein wenig der Eitelkeit, dass meine Einträge gelesen werden…

Rückständig bin ich nicht wirklich, im Gegenteil! Es ist ziemlich viel zu tun, wenn frau sich selbständig macht und als Ein-Frau-Betrieb könnte der Tag im Moment ruhig 48 Stunden haben. So aber sind Prioritäten zu setzen und Aufträge gehen vor. Seit dem 10.10. gab es eine Woche „Intensivkurs Speisepilze“, mehrmals Nudeln mit Wildschwein-Gehacktes (einmal sogar mit Trüffeln – hmmmmh!!), Teilrenovierung der Wohnung, Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm, Einarbeitung meines jungen, talentierten Assistenten, Verwaltung – hauptsächlich für’s Finanzamt -,  die Aktualisierung meiner Internetseite ist auch seit einiger Zeit in Arbeit, geht bald online und und und.

Heute habe ich endlich! meine Weihnachtsstollen gebacken. Da sie möglichst 3 Wochen reifen sollten, bevor sie angeschnitten werden, bin ich damit klar im Rückstand!!

10. Oktober 2010 - 10.10.10

Das Datum animiert ja geradezu, etwas zu schreiben!

Der Herbst erfreut uns mit traumhaft schönen Sonnentagen. Der Garbentisch ist nach wie vor reichlich gedeckt. Die fast letzten Tomaten habe ich heute zu einer würzigen Tomatenkonfitüre verarbeitet. Sie wird ab November wunderbar zu Käse schmecken.

Quitten gibt es jetzt – ich werde auf jeden Fall Essig ansetzen. Sobald mein Gärtopf geliefert ist, erstmalig auch Sauerkraut. Darauf bin ich ganz besonders gespannt!

Und es ist genau die richtige Zeit, um Christstollen zu backen. Braucht er doch 6 Wochen Reifezeit…

3. Oktober 2010 - Schätze: Teltower Rübchen

Teltower Rübchen Die diesjährige Ernte hat begonnen. An diesem Wochenende konnte ich sie erstmalig in diesem Jahr genießen. Wer das Glück hat, diese wunderbaren Rübchen zu ergattern, sollte davon reichlich Gebrauch machen. Alles was es darüber zu sagen gibt, steht im Anhang. Übrigens: Schon unser berühmter Geheimrat Goethe schätzte diese Rübchen sehr!

28. September 2010 - Aufregende Orte

Ein für mich immer sehr aufregender Ort ist der Kochbuchladen in der Alte Schönhauser Straße in Berlin-Mitte  www.kochlust-berlin.de . Es vergeht kaum eine Woche, in der ich dort nicht meine Aufwartung mache. Wie ein Magnet zieht es mich seit Jahren immer wieder dorthin. Die Auswahl ist riesengroß und immer, wirklich immer, finde ich noch etwas, das ich unbedingt haben muss. Heute z.B. entdeckte ich ein Buch mit dem Titel „Schlachten, Zerteilen, Wursten“. Ich blätterte darin und sah Bilder wie nie zuvor. Wie ein Tier zerlegt wird, darüber wird relativ häufig berichtet, aber Bilder vom Schlachten, Ausnehmen und Zerlegen an sich, das hatte ich noch nie gesehen!

Seit Jahren schon stehe ich immer wieder vor der Frage: Will ich weiter Fleisch essen? Die Berichte über die gängige Quälfleischproduktion sind überall abrufbar, wenn man sich informieren will. Ich denke, nur durch die Tatsache, dass ich dieses Fleisch nicht kaufe, kann ich es nicht ändern. Mein Weg ist es, sich immer wieder der Tatsache zu stellen, ein Tier zu verarbeiten. Und dafür ist es unabdingbar sich auch der Realität zu stellen, dass es von jemandem geschlachtet werden musste, bevor ich es auf den Tisch bekomme. Und auch, dass ein Tier aus mehr als seinem Filet besteht. Und deshalb jetzt dieses Buch!

Meine Gäste sind sehr interessiert an meinem Essen, lieben mein gutes Fleisch (von ausgesuchten, vertrauensvollen Händlern), schätzen die Handarbeit und Zubereitung in meiner Küche. Für Innereien konnte ich aber noch kaum mal jemanden begeistern. Nieren, ja die durften es einmal sein. Aber z.B. Zunge oder gar einen Kalbskopf zuzubereiten, dass erträgt kaum jemand. Zu gern möchte ich einmal selbst Wurst machen. Auch für mich ist es noch fremd und ein wenig beängstigend. Aber der Tag wird kommen, wo ich es ausprobiere – und wenn ich alles allein aufessen muss…

22. September 2010 - Störküche

Störküche – den Begriff hörte ich heute zum ersten Mal. Eine liebe Freundin aus der Schweiz erzählte mir davon, und es scheint ein schweizer Begriff zu sein. Eine Erklärung war der Hinweis auf eine alte Tradition, nach der die Handwerker in alter Zeit auf Reisen nach Arbeit suchten. Das passt gut zu meiner momentanen Situation als Mietköchin. Ich bin auf Reisen und suche nach Arbeit. Dabei ist das Internet heute durchaus eine Bereicherung, braucht man jetzt nicht mehr mit einem Wagen und einer Glocke durch die Straßen zu ziehen, um seine Leistungen anzupreisen. Jetzt erinnere ich mich an meine Kindheit, in der z.B. noch Scherenschleifer und Schrottsammler durch die Straße zogen. Nein, nein, dass ist nicht 100 Jahre her, das war vor gut 40 Jahren noch so!

Die Situation “ Arbeit suchen“ passt also gut. Und diese Internetseite ist mein Wagen und meine Glocke. Um meine Leistungen anzubieten, stelle ich gerade mit meiner  Grafikerin Franziska eine weitere Seite zusammen…

20. September 2010 - Aufregende Zeiten

„Wenn ich schon essen muss um zu leben, dann will ich es wenigstens genießen“ sagte einst MFK Fisher. Wir in Europa haben das Glück in einer Welt des Überflusses zu leben. Hier gibt es ausreichend zu essen und zu trinken. Und was machen wir daraus?

Gestern waren Freunde zu Besuch, die ihre Nachbarn und andere Freunde mitbringen. Es ist schön und es ist friedlich mit Menschen an einem Tisch zu sitzen, denen es nicht egal ist, was sie essen und wie es zubereitet ist. Reichlich Gesprächsstoff gab es wieder, angefangen von den Zutaten bis hin zu den diversen Zubereitungsarten. Es kommen ja immer neue Techniken auf, und wir beherrschen noch nicht einmal die einfachsten Zubereitungsarten: Warum brauche ich für Kartoffelpüree mehlig kochende Kartoffeln? Wie geht ein Hefeteig? Was bedeutet “ Fleisch schmoren“? Warum sind Birnen erst hart und dann mehlig? Warum ist Fett für den Geschmack so wichtig? Die Menschen an meiner Tafel interessieren sich dafür und es gab regen Austausch von Erfahrungen. Die gab es reichlich gestern Abend – es saßen drei Generationen am Tisch!

Seit heute bin ich selbstständig – leider noch nicht mit meiner Gästetafel, aber immerhin kann man mich zu sich nach Hause holen. In meiner Wohnung darf ich gewerbsmäßig nicht kochen, bei Ihnen zu Hause schon.

Seit Wochen bin ich unterwegs um mich zu informieren. In der vergangenen Woche habe ich eine sogenannte „Gaststättenrechtliche Unterweisung“ bei der IHK absolviert. Sofort ist mir klar, warum es in meiner Wohnung nicht gehen kann. Noch gebe ich nicht auf. Schaue mich um nach Möglichkeiten, eine Küche einzurichten, in der ich meine Produkte fertigen kann, um sie zu verkaufen. Vielleicht auch mit einem Nebenraum, in dem ich ein Esszimmer einrichten kann um dort meine Tafel anzubieten. Es wird nicht einfach.

16. September 2010 - Aufregende Zeiten

Vier junge Menschen, alle um 22 Jahre alt, saßen gestern Abend an meinem Tisch. Fröhliche, interessierte, sehr genussvolle Gäste.  Das läßt hoffen für den Genießernachwuchs!

Seit dem Interview in der Süddeutschen ist es etwas unruhiger geworden – was mich natürlich sehr freut! Einerseits bin ich eifrig auf der Suche nach geeigneten Räumen und Möglichkeiten, um meine Gästetafel auf „offizielle Füße“ zu setzen, andererseits die gestiegenen Anfragen. Nun, es zeigt wie spannend mein Thema ist, spornt mich an und bringt Energie. Mein Tagebuch regelmäßig zu führen, wird dabei etwas vernachlässigt.  Sehr schmeichelhaft, dass es von fremden Menschen angemahnt wird – vielen Dank, ich werde mich bemühen! Natürlich will und werde ich hier nicht mein ganzes Privatleben ausplaudern, aber meine Gästetafel  ist im Moment mein einziges Privatleben. Eine aufregende Zeit!

5. September 2010 - Und nun?

„Nichts ist so, wie man meint“ – eine der vielen Weisheiten, mit denen mich mein ältester Freund Wilhelm (81) seit vielen Jahren begleitet.

In der aktuellen Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung ist nun das Interview mit mir erschienen. Was auch immer ich mir gedacht habe, was das auslöst – „nichts ist so, wie man meint“.

Eine Dame will unbedingt, dass ich mit ihr Kontakt aufnehme – warum, schreibt sie nicht. Fremde Menschen schicken mir „über ihren iPod“ beste Grüße… Ich werde mir überlegen, wie ich reagiere. Einigen werde ich bestimmt antworten!

Meinen eingeschlagenen Weg werde ich weitergehen und dabei hilft mir heute morgen ein aktueller Beitrag in Deutschlandradio Kultur http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/1263899/ . Ein Grund mehr, sein Essen nach dem auszurichten, was es vor Ort gibt, was die Jahreszeiten mitbringen. Ich lasse mich heute bekochen: Kartoffelsuppe mit Blutwurstkrapfen und Schnittlauch – Rosa gebratene Entenbrust mit Spitzkohl und Kartoffelstrudel – Grießflammerie mit Apfelkompott!