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21. Dezember 2011 - „Perlen vor die Säue“

Vor kurzem bekam ich eine Catering-Anfrage. Ein Fest sollte es geben für 50 Personen und unter anderem dann auch Bouletten und Kartoffelsalat. Ich liebe solche einfachen Sachen, denn mit guten Erzeugnissen schmecken sie immer hervorragend. Bouletten mache ich gerne aus Kalbfleisch. Dieses drehe ich selbst durch den Fleischwolf. Brot darf darin nicht fehlen (man denke an Semmelknödel!) und ich nehme selbst gebackenes Weißbrot, das in Milch eingeweicht wird. Für den Kartoffelsalat schlug ich die Sorten Linda oder Bamberger Hörnle vor. Ich habe den Auftrag nicht bekommen und als Begründung hieß es: Ich hätte so feine Sachen (der Kartoffelsalat galt als Beispiel), dass wüssten die meisten Gäste nicht zu schätzen, das seien „Perlen vor die Säue“…

Ich  bin sehr dankbar für dieses Erlebnis! Zuerst habe ich mich gefragt, welche Einstellung den Gästen gegenüber da wohl besteht? Dann habe ich überlegt, ob es wohl ein Fehler von mir war, denn ich muss ja auch Geld verdienen. Jetzt bin ich mir sicher, dass ich ganz genau so weiter machen will wie bisher! Ich habe 20 Jahre an verschiedenen deutschen Theatern arbeiten dürfen und wir haben uns immer und immer wieder die Frage gestellt: Für wen machen wir das alles hier? Aber niemals habe ich den Satz gehört, unsere Kunst sei „Perlen vor die Säue“. Wir waren uns am Ende einer Diskussion immer einig, dass es ein Gewinn sei, wenn wir nur einen einzigen Menschen zum Nach- und Weiterdenken anregen können…

Gestern durfte ich in einer Privatwohnung ein Weihnachtsmenü für ca. 30 Gäste kochen. Die Reaktionen dieser Gäste haben die Absage drei mal wett gemacht.  Der ein oder andere kam sogar in die Küche um nachzuschauen, ob noch etwas zum „mit nach Hause nehmen “ übrig sei. Sowas macht glücklich und ist nicht mit Geld aufzurechnen!

„Man bekommt immer die Gäste, die man verdient“ – ja, Vincent Klink hat wieder einmal recht. Der Weißkrautsalat gestern war aus seinem Kochbuch: Frisch gehobelt, kurz angebraten, mit einer guten Mayonnaise verbunden. Dazu fein gewiegte Schalotten, Zitronengras, Petersilie und Walnusskerne und geschlagene Sahne – einfach aber genial!

2. November 2011 - Was für eine Küche kochen Sie?

Grad heute hat mir eine sympathische junge Frau diese Frage gestellt. Sie taucht immer wieder auf. Ja, was für eine Küche koche ich eigentlich? Es ist mein absoluter Luxus das zu kochen, was ich gerne mag. Ich richte mich nicht nach dem Zeitgeist sondern vielmehr nach der Jahreszeit. Kochbücher aus verschiedenen Ländern inspirieren mich dabei. Alles in allem kann ich überzeugt sagen: In der Küche bin ich leidenschaftliche Europäerin!

Vincent Klink sagte mir einmal: „Man bekommt immer die Gäste, die man verdient.“ Meine Gäste sind wunderbar!

14. Oktober 2011 - Endlich Herbst!

Heute hat mein sehnsüchtiger Blick Maronen ausgemacht. Seit zwei Wochen suche ich danach, denn ich habe sie für mein nächstes Menü eingeplant. Quittenragout mit Kastanienmousse soll es als Dessert geben.

Bei der Fülle des Angebots ist es ist unglaublich schwer, sich zu entscheiden. Weintrauben, Feigen, Birnen, Äpfel schmecken wunderbar, Granatäpfel tauchen auf. Walnüsse und Haselnüsse gibt es zuhauf. Kohl, Kürbis, Salate, Pilze, Teltower Rübchen, zuckersüße Möhren, dazu leckere Kartoffeln – der Wildhändler hat einen Hasen dabei. Ich glaube, ich muss mir doch noch ein kleines Restaurant suchen, damit ich das alles kochen kann…

20. September 2011 - Geburtstag

Nicht nur meine liebe Schwester Claudia hat heute Geburtstag, sondern auch meine Gästetafel. Vor genau einem Jahr habe ich mit klopfendem Herzen mein Gewerbe angemeldet. Nach bald 40 Jahren als Angestellte war das ein sehr aufregender Moment. Und aufregend ist es immer noch. Zuerst war ich aufgeregt, weil erste offizielle Aufträge reinkamen und jetzt ist es aufregend, weil meine Gäste mich erneut buchen. Das ist noch viiiiel schöner als beim ersten Mal!

22. August 2011 - Freude

Seit vielen Jahren bin ich überzeugtes Mitglied von Slow Food Deutschland. Slow Food ist eine weltweite Vereinigung, Details erfährt man über www.slowfood.de/ .  Ich sage immer: Slow Food kümmert sich um die Arterhaltung von Lebensmitteln… Auf jeden Fall koche ich schon sehr lange nach Slow Food Kriterien und habe vor kurzem einen Antrag gestellt, Fördermitglied zu werden.

Ich freue mich sehr, dass ich in den Kreis der Förderer aufgenommen wurde!

1. Juli 2011 - Was gibt es Neues?

Lange habe ich nicht mehr geschrieben. Seit dem Bericht in der Zeitschrift essen & trinken (siehe Referenzen) ist es turbulenter geworden. Das freut mich natürlich sehr, als „Ein-Frau-Betrieb“ ist es eine spannende Herausforderung.

Für mein nächstes Menü habe ich mich im „Wurst herstellen“ geübt, es soll u.a. Curry-Wurst geben. Selbstgemachtes Ketchup gehört natürlich dazu und schmeckt wunderbar, gemeinsam mit den Curry-Mischungen aus dem Pfefferkontor.

Ganz aktuell ist meine Entscheidung Slow Food Fördermitglied zu werden. Seit vielen Jahren schon bin ich Mitglied bei Slow Food weil ich von der Idee Carlo Petrini’s absolut überzeugt bin.

11. Mai 2011 - Erfahrung mit Medienberichten

Meine Gästetafel interessiert nicht nur genussfreudige Menschen, sondern auch die Presse. Das ist schön für mich. Spannend ist auch immer, was dann passiert.

Diesmal hätte ich eine Wette abschließen sollen: Noch bevor ich selbst die Ausgabe in Händen hielt, kamen die ersten Anfragen: Ich bin auch Hobby-Köchin, sowas möchte ich auch machen. Wie geht das?

Einerseits freue ich mich natürlich darüber. Andererseits –  Meine Gästetafel gibt es seit vielen Jahren. Dass ich mich damit einmal selbständig machen würde, hätte ich zuvor niemals gedacht. Und dazwischen liegt viel Arbeit. Informationen einholen und Behördengänge bei:  Lebensmittelaufsicht, Ordnungsamt, Industrie- und Handelskammer, Gaststättenunterweisung. Praktika (Arbeiten ohne Bezahlung!)  in verschiedenen Profiküchen und kochen, kochen, kochen.

Sehr interessant sind dann die Medien, die sich unmittelbar nach einem Bericht anbieten, ebenfalls über mich zu berichten. Da darf man nicht überlegen. Wenn man nicht sofort zugreift, ist das Interesse woanders. Aus meiner Sicht war das Zögern durchaus berechtigt.

Da halte ich es weiter wie Vincent Klink der sagt: „Man bekommt immer die Gäste, die man verdient.“ Das kann ich bisher nur bestätigen. Meine angebotenen „Offenen Tafeltermine“ sind für mich eine Ausnahme und den Presseberichen geschuldet. Hauptsächlich werde ich aber als Mietköchin gebucht. Und auch weiterempfohlen, das freut mich ganz besonders.

Und ich hatte bisher ausnahmlos nur sehr nette Gäste!

10. Mai 2011 - Spargel total

Schon seit einigen Wochen ist er zu haben: Spargel, weiß und grün und reichlich. Und bis zur letzten Woche war er noch unglaublich teuer. 10 Euro hat eine Freundin am Samstag je Kilo auf dem Markt bezahlt. Jetzt, wo es warm ist und vor allem Ostern und Muttertag vorbei, wird er sich hoffentlich auf ein bezahlbares Maß einpendeln. 10 Euro nimmt noch nicht einmal die Tomatenfrau, die im Moment Spargel in Demeter-Qualität anbietet. Dieser Spargel ist nicht so dick und nicht so weiß wie die meisten Angebote. Dafür unglaublich zart und sehr, sehr lecker!!

Hier kann man nachhören, wie dem Spargel heute eingeheizt wird:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/1451882/

9. Mai 2011 - Soibluemehonig

Ich kann es gar nicht aussprechen, dieses Wort (mein ganz persönlicher Webmaster in der Schweiz bestimmt!), aber ich kann es erklären: Eine feine Essenz aus Löwenzahnblüten und Zucker. Gepflückt, gewaschen und mit Zucker geschichtet standen die Blüten eine Woche in der Sonne. Die gewonnene Flüssigkeit durch ein feines Tuch gegossen und dann vorsichtig eingekocht, bis es eine honigartige Konsistenz hat. Nun schmeckt es  wunderbar über Vanilleeis oder einem Zitronensorbet. Auch eine Salatsauce lässt sich damit aromatisieren.

Das schwierigste daran: Geeignete Löwenzahnblüten zu ergattern. Das Rezept stammt aus einem schweizerischen Kochbuch (Werner Tobler – Cuisinier), dort gibt es viele Wiesen, die sich eignen. Hier in der Stadt habe ich Glück und eine liebe Nachbarin hat mir Blüten „vom Land“ mitgebracht…

18. April 2011 - Die neuen Tafeltermine erscheinen in den nächsten Tagen

Bisher habe ich meine Menüs immer im persönlichen Gespräch erarbeitet, nun will ich gleich mehrere nebeneinander anbieten – wieder etwas Neues, soweit im voraus zu planen. Obwohl ich das aus dem Theater durchaus gewohnt bin. Aber hier, in meiner Küche ist es etwas anderes. Da ich meine Zutaten ganz normal auf dem Markt einkaufe, will alles schon gut überlegt sein – aber mit der Übung kommt sicher auch bald die Routine. Zwei von vier Menüs stehen immerhin schon…